Das Vaterunser – theologische Hintergründe zu einer hochkomplexen Inszenierung

Es gab einige Diskussionen um die Frage, warum bei jeder Probe und jeder Aufführung unser Jesusdarsteller das Vaterunser in anderer Form präsentierte. Eventuell ist dazu ein Blick in die Evangelien hilfreich.

Wir finden das Vaterunser nur bei Matthäus und Lukas, was nahelegt, dass es durch die Logienquelle überliefert wurde.

Bei Matthäus finden wir im 6. Kapitel eine Variante, die fast unserem Vaterunser entspricht:

„Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen.“

Diese Form dürfte aber schon durch frühchristlichen liturgischen Gebrauch überformt worden sein. Die Exegeten vermuten, dass uns Lukas im 11. Kapitel die ursprünglichere Form überliefert:

„Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden;  denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.“

Erst in der frühchristlichen Schrift der Didache begegnet uns das Vaterunser so, wie wir es heutzutage beten.

Ohne Frage war es für unser Kibiwe ein Must-Have diesen verschiedenen Varianten gerecht zu werden. Deshalb entschied die Regie, dass unser Jesusdarsteller den Text jedes mal neu und nach neuen Regeln variieren solle. Ein hartes Los!

„Es war nicht leicht. Jedes Mal musste ich mich neu mit dem Text beschäftigen, ihn in einer weiteren Variante lernen und stringent nach Anweisung der Regie aufsagen. Großes Lob an die JüngerInnen, die mich jedes Mal unterstützt haben und mir aufmerksam zuhörten. Ihr fröhliches Lachen auf den Fotos zeigt, wie sie sich mit mir freuen, wenn ich den Text exakt nach Anweisung der Regie rüberbrachte. Aber exegetisch anspruchsvoll zu sein, das ist nun einmal das A und O des Kibiwe.“

Freude und Erleichterung bei allen!

Das, liebe Leute, ist das Geheimnis und erklärt auch die Freudentränen der Regie bei jeder Probe und jeder Aufführung. Dieser Jesusdarsteller hat die Erwartungen der Regie bei weitem übertroffen!

Wer Genaueres wissen will:

Guckst du!