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Ein seltsames Wiedersehen

(Die Audios erzählen die Geschichte, man kann sie aber auch lesen)

Was hat noch gefehlt an der Geschichte von Joseph? Natürlich, irgendetwas mit den Brüdern von Joseph. Inzwischen ist es neun Jahre her, dass der Pharao Joseph zum Herrn über Ägypten gemacht hat.

Der Hausverwalter vor Josephs Palast

Der Hausverwalter von Joseph erzählt: „Was für eine Hitze! Seit über einem Jahr brennt die Sonne herab. Auf den Feldern wächst nichts mehr. Hätte Joseph, mein Gebieter, nicht in den sieben Jahren der guten Ernten und des Reichtums Vorratslager bauen und Getreide einsammeln lassen – wir müssten alle vor Hunger sterben. Den ganzen Tag kommen Menschen hierher, um Getreide einzukaufen. Da kommen schon wieder welche!“

Die kennt man doch …
Screenshot aus dem Video von Harald Renz

„Was wollt ihr?“ fragt der Hausverwalter. „Man hat uns gesagt, hier in Ägypten kann man Getreide einkaufen. Wir kommen aus Kanaan und wollen Getreide kaufen. Unsere Familie hungert und muss sterben, wenn wir hier nichts bekommen,“ antwortet Juda. „Ihr kommt aus Kanaan?“ fragt der Hausverwalter. „Das muss mein Herr selbst entscheiden.“

Screenshot aus dem Video von Harald Renz

„Kniet nieder vor Zafenat Paneach, dem Herrn über Ägypten!“ ruft der Hausverwalter und die Brüder werfen sich vor dem Herrn über Ägypten nieder. Keiner von ihnen erkennt in ihm den Bruder wieder …

Screenshot aus dem Video von Harald Renz

… aber Joseph hat seine Brüder sofort wiedererkannt. „Das sind Spione und Feinde Ägyptens!“ ruft er den Wachen zu. „Werft sie ins Gefängnis!“ „Wir sind keine Spione, wir sind Brüder,“ sagt Juda, aber Joseph lässt sich nicht beirren. Die Wachen und der Hausverwalter führen die Brüder ab.

„Das waren meine Brüder, die mich verraten und verkauft haben,“ sagt Joseph. „Die sollen im Gefängnis schmoren.“

Screenshot aus dem Video von Harald Renz

Der Hausverwalter kommt zurück: „Mein Herr, du bist doch sonst immer so freundlich zu allen Menschen, so kenne ich dich gar nicht!“ „Das sind Spione,“ sagt Joseph. „Aber vielleicht sind es doch nur einfache Menschen, die Getreide für ihre Frauen und Kinder, für ihren Vater und ihre Mutter kaufen wollen,“ antwortet der Hausverwalter. Joseph wird nachdenklich. Er denkt an die Kinder und Frauen und an seinen Vater Jakob. „Ein paar Tage im Gefängnis werden diesen zehn Männern nicht schaden,“ sagt Joseph. „Es waren elf Männer,“ korrigiert ihn der Hausverwalter.

Screenshot aus dem Video von Harald Renz

„Sie haben meinen Bruder Benjamin dabei!“ sagt Joseph leise zu sich. Und zum Hausverwalter sagt er: „Holt die Männer aus dem Gefängnis, ich will doch mit ihnen reden.“ Die Wachen und der Hausverwalter tun, was Joseph ihnen befohlen hat, holen die Brüder aus dem Gefängnis und bringen sie zu Joseph.

Als die  Brüder bei Joseph sind, spricht Joseph Benjamin an: „Du bist der Jüngste, nicht wahr? Wie geht es deinem Vater?“ „Es geht ihm gut,“ sagt Benjamin. „Und deine Brüder, sind sie freundlich zu dir?“ „Ja, Herr, sie passen auf mich auf,“ antwortet Benjamin. „Wir sind doch Brüder und Brüder müssen zusammenhalten, nicht wahr?“ „Ist das wirklich so?“ fragt Joseph zurück. Dann lädt er die Brüder zu sich in den Palast zum Essen ein.

Screenshot aus dem Video von Harald Renz

„Lass die Säcke dieser Leute randvoll mit Getreide füllen,“ befiehlt Joseph dem Hausverwalter. „In den Getreidesack des Jüngsten aber lege meinen silbernen Trinkbecher, heimlich, so dass es keiner sieht.“ Der Hausverwalter wundert sich. Was hat Joseph vor?

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Ein großes Fest für viele Menschen

Stell dir vor, heute wäre Weihnachten. Deine Eltern sind schon seit Tagen damit beschäftigt, alles vorzubereiten: Zu Hause wird die Wohnung geputzt, mindestens ein Großeinkauf steht an, und extra für diesen Tag gibt es neue Kleider. Und du freust dich darauf, dass es ein wunderschönes Familienfest gibt, ganz viele Süßigkeiten und natürlich auch Geschenke.

Heute ist nicht Weihnachten, heute ist …

Quelle: Pixabay

… das Ramadanfest!

Erinnerst du dich?

Vor einem Monat, am 24. April, begann für die Muslime der Fastenmonat Ramadan und jetzt, einen Monat später, ist der Fastenmonat zu Ende und die Muslime feiern das Ende des Fastens.

Dieses Fest, das Ramadanfest, ist heute, morgen und übermorgen, also drei Tage lang. Dieses Fest ist für die Muslime so wichtig wie für uns Weihnachten.

Es gibt auch ein paar Sachen, die gleich sind: Tagelang wird alles vorbereitet, das Haus wird geschmückt, es gibt viel Essen, man trifft sich besonders mit der Familie, aber auch mit Verwandten und Bekannten, und es gibt Süßigkeiten und Geschenke.

Quelle: Pixabay

Zum Ramadanfest gehört es für Muslime dazu, an arme Menschen zu denken, denen es nicht gut geht, und zu spenden. Das gehört bei uns an Weihnachten auch dazu.

Magst du mehr über das Ramadanfest erfahren? Ich habe dir zwei Videos rausgesucht.

Bilge hat ihre Freundin Sophie eingeladen, das Ramadanfest mitzufeiern. Du kannst mit diesem Video auch dabei sein!

Vor vier Jahren haben sich die Muslime in München entschlossen, das Ramadanfest richtig groß zu feiern, wie es in muslimischen Ländern üblich ist. Schau einfach mal rein!

Dieses Jahr ist es natürlich richtig schwer wirklich zusammen zu feiern. Es trifft einfach alle Menschen auf der Welt, egal wo wir wohnen oder welche Religion wir haben.

Trotzdem: Ein gesegnetes Ramadanfest!

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Wie die Menschen schreiben lernten

Heute geht es ums Schreiben und Lesen. Deshalb gibt es die Texte nicht als Audio zum Hören.

Vom Malen zum Schreiben

Irgendwann, vor tausenden von Jahren, begannen die Menschen, Dinge aufzuschreiben. Dazu mussten sie aber erst die Schrift erfinden. Die erste Schrift, die erfunden wurde, war die Bilderschrift. Wie Bilderschrift funktioniert, das ist ziemlich einfach.

Lies mal, was da steht!

Da steht:

Bilderschrift bedeutet, man malt einfach das auf, was man meint. Aber Bilderschrift hat drei große Nachteile.

Versuch mal diesen Satz in Bilderschrift zu lesen:

Das wollte ich sagen:

Man müsste einen ganzen Comic zeichnen, um das in Bilderschrift zu schreiben! Das Schreiben in Bilderschrift ist recht langsam und kompliziert.

Dann braucht man in der Bilderschrift ganz viele verschiedene Zeichen. Bilderschriften brauchen tausende davon, die man sich alle merken muss, für jede Art von Tieren und Pflanzen zum Beispiel.

Und schließlich gibt es Wörter, die schwer zu zeichnen sind, nämlich, wenn jemand etwas macht und wie er es macht.

Was soll dieses Bild wohl sagen?

Es soll bedeuten:

Vom Hören zum Schreiben

Deswegen haben irgendwann die Menschen angefangen, das zu schreiben, was man hört, also die Laute. Das ist die Art von Schrift, die du in der Schule lernst. Die musste man aber auch erfinden.

Dazu nahm man Wörter aus der Bildschrift, die mit dem gewünschten Laut anfingen. Ich zeige dir drei Beispiele:

Einen Ochsen nannte man damals Aleph. Das Zeichen für Ochse wurde zum „A“.

Den Fisch nannte man damals Dalet. Das Zeichen für Fisch wurde zum „D“.

Die Hand nannte man damals Kaf. Das Zeichen für die Hand wurde zum „K“.

In welcher Richtung schreibt man richtig?

Jeder weiß das: Richtig schreibt man von links nach rechts und von oben nach unten. Aber stimmt das? Früher schrieben die Leute nämlich so „wie der Ochse ein Feld pflügt.“

Lies das mal!

Hast du es geschafft?

In welche Richtung man lesen muss, das erkennt man daran, in welche Richtung die Buchstaben schauen. Schwer zu lesen? Das dachten sich die Menschen irgendwann auch. Deshalb legten sie sich auf eine Schreibrichtung fest. Bei uns ist es von links nach rechts, es gibt aber zwei Schriften, die sich für die andere Schreibrichtung entschieden haben: Hebräisch und Arabisch.

Da steht in hebräischer Schrift: Schalom und in arabischer Schrift: Salam. Beide Wörter bedeuten auf Deutsch: Frieden

Das ganze Alte Testament ist ursprünglich in Hebräisch geschrieben worden. Was es noch mit dem Hebräischen auf sich hat, das erkläre ich dir gerne ein anderes Mal.

In unserer Zeit ist Bilderschrift wieder in Mode gekommen. Verkehrszeichen sind Bilderschrift, die Icons für deine Apps auf dem Computer sind Bilderschrift und auch die Emojis, von denen es inzwischen – wen wundert´s? – tausende gibt. Denn Bilderschrift hat einen Vorteil: Menschen mit verschiedenen Sprachen können trotzdem die gleiche Bilderschrift verwenden.

Morgen ist übrigens ein besonderer Tag. Warum, das erkläre ich dir dann.

Und den Joseph habe ich nicht vergessen. Da fehlt ja noch was, nicht wahr?

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Die Träume des Pharaos

Die Ratgeber des Pharaos sind verzweifelt: Der Pharao, König über Ägypten, hat geträumt. Wenn der Pharao träumt, dann hat das Bedeutung für das ganze Land. Aber niemand kann die Träume des Pharao deuten!

Nun, da erinnert sich der Mundschenk endlich an Joseph. Nach zwei Jahren! Der Mundschenk erzählt dem Ratgeber, dem Hohenpriester von On: „Damals, als in die Ungnade unseres erhabenen Pharaos gefallen war, da war ein Mann im Gefängnis, der konnte Träume deuten. Er hieß Joseph.“ „Man soll diesen Joseph herbeischaffen!“ befiehlt der Hohepriester von On.

Joseph wird tatsächlich vor den Pharao gebracht. Davor hatte man ihm neue Kleider gegeben und ein Bad usw., damit er für den Pharao präsentabel sei.

„Du bist also dieser Joseph?“ fragte der Pharao. „Ich hatte einen Traum, eigentlich zwei, aber keiner konnte sie deuten.“ Der Pharao blickte dabei ziemlich sauer zum Hohenpriester hinüber. „Von dir aber,“ sagte der Pharao, „sagt man, du könntest Träume deuten.“ „Ich kann es nicht,“ sagte Joseph, „aber Gott kann es. Erzähle mir deinen Traum!“

Der Pharao erzählte: „In meinem Traum ging ich am Nil entlang, da sah ich sieben Kühe, wunderschön und gut genährt. Dann stiegen aus dem Nil sieben andere Kühe, hässlich und dürr. Die hässlichen Kühe fraßen die wunderschönen Kühe und blieben so dürr wie vorher.“

„Dann wachte ich auf,“ sagte der Pharao. Joseph antwortete: „Erzähl mir den zweiten Traum, Herr.“

Der Pharao erzählte: „In meinem Traum ging ich am Nil entlang, da sah ich sieben Ähren, voll und schön. Aber dann wuchsen sieben andere Ähren, leer und hässlich. Die hässlichen Ähren fraßen die schönen und blieben doch so leer wir vorher.“

Screenshot aus dem Video von Harald Renz

Josef sagte: „Dein Traum, Herr, ist ein und derselbe. Gott hat dir gezeigt, was er vorhat: Die sieben schönen Kühe und die sieben vollen Ähren stehen für sieben Jahre voll guter Ernte und Reichtum für Ägypten, die sieben dürren Kühe und die sieben hässlichen Ähren für sieben Jahre Hungersnot und Armut, die danach kommen werden. Zweimal hat Gott dir denselben Traum geschickt. Damit will er sagen, dass die Sache beschlossen ist.  Du, Herr, solltest einen zuverlässigen Mann einsetzen, der in den sieben Jahren der guten Ernte ein Fünftel der Ernte in ganz Ägypten einsammeln und lagern lässt.“

„Du hast weise gesprochen und meinen Traum gedeutet, Joseph. Wo finde ich nun einen Mann, der diese Aufgabe erfüllen kann?“ sagte der Pharao.

Screenshot aus dem Video von Harald Renz

„Ich denke, du bist dieser Mann,“ sagte der Pharao. „Ich ernennen dich zum Herrn über Ägypten. Jeder Mensch in Ägypten muss dir gehorchen, du bist nur mir persönlich, dem Pharao, unterstellt.“

Der Pharao steckte Joseph seinen eigenen Siegelring an den Finger und ließ ihn in königliche Gewänder kleiden. Er gab ihm einen neuen Namen, Zafenat-Paneach und der Hohepriester von On gab Joseph seine Tochter Asenat zur Frau. So wurde Joseph zum Herrn über Ägypten, der nur dem Pharao selbst gehorchen musste.

Na dann, damit ist die Geschichte zu Ende, oder etwa nicht? Fehlt da vielleicht irgendetwas?

Natürlich, da fehlt noch was in der Geschichte. Habt Geduld! Wir müssen erst mal die sieben guten Jahre abwarten. In unserer Zeit geht es mit der Geschichte am Montag weiter.

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Der Vater im Himmel

Quelle: Pixabay

An dieser Stelle allen Vätern einen schönen Vatertag! In der Kirche feiern wir übrigens heute „Christi Himmelfahrt“. Hat Christi Himmelfahrt eventuell was mit dem Vatertag zu tun?

„Christi Himmelfahrt“ bedeutet „Jesu Himmelfahrt“. Geht es eventuell heute darum, dass Jesus so etwas wie der erste Astronaut war? Unwahrscheinlich. Fragen wir mal: Was ist da überhaupt mit Himmel gemeint?

Unser blauer Himmel mit Schäfchenwolken?

Irgendeine ferne Galaxie im Universum?

Der Feiertag „Christi Himmelfahrt“ will uns sagen: Jesus, der Auferstandene, ist bei Gott, seinem Vater. Und den Ort, wo Gott ist, den nennt die Bibel schon auch Himmel, aber damit sind weder die Wolken noch eine ferne Galaxie gemeint. Der Himmel, in dem Gott wohnt, ist unerreichbar fern und trotzdem ganz nah. Und man kann davon kein Bild machen, so wie man von Gott kein Bild machen kann.

Es gibt zu diesem Feiertag eine Geschichte in der Bibel, die uns Lukas erzählt, als erste Geschichte in seinem Fortsetzungsbuch, der Apostelgeschichte.

Vierzig Tage waren seit dem Ostertag vergangen und Jesus, der Auferstandene, erschien seinen Jüngern und Jüngerinnen und ging mit ihnen auf den Ölberg. „Bleibt in Jerusalem,“ sagte Jesus. „und wartet dort, bis ich euch meinen Geist sende. Ihr sollt allen Menschen die gute Nachricht verkünden, dass Gott alles gut macht.“ „Das Reich Gottes?“ fragten die Jünger und Jüngerinnen aufgeregt. „Kommt jetzt doch noch dein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit?“ „Das hat schon begonnen,“ sagte Jesus. „Aber wann es vollendet sein wird, das weiß nur der Vater im Himmel.“

Und dann sahen sie Jesus nicht mehr. Die Jünger und Jüngerinnen wussten: Jesus ist bei Gott, seinem Vater.

Automatisch schauten die Jünger und Jüngerinnen nach oben in den Wolken – und Sternehimmel.

Plötzlich standen zwischen ihnen zwei Männer mit strahlend weißen Gewändern.

„Was schaut ihr da rauf?“ fragten die Männer mit den strahlend weißen Gewändern. „Am Ende der Zeit wird dieser Jesus wiederkommen. Geht nach Jerusalem und wartet dort auf den heiligen Geist. Ihr habt doch einen Auftrag, nicht wahr?“

Und so gingen die Jünger und Jüngerinnen zurück nach Jerusalem.

(Christi Himmelfahrt und der Vatertag haben also schon was miteinander zu tun!)

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Joseph im Gefängnis

Under Construction

Joseph war im Gefängnis und blieb dort lange Zeit. Die Bibel erzählt leider nicht, wie er sich dort gefühlt hat. Vermutlich nicht besonders gut, oder?

Der Gefängniswärter

Der Gefängniswärter dagegen war absolut begeistert. Denn er entdeckte ziemlich schnell, dass Joseph zuverlässig und fleißig war.

Also ließ er jetzt den Joseph all die Arbeiten machen, die eigentlich er, der Gefängniswärter, hätte tun müssen: Den Gefangenen das Essen und Trinken austeilen, überall nach dem Rechten sehen, die Gefangenen beaufsichtigen und Vieles mehr.

„Dieser Joseph ist wirklich großartig“, sagte der Gefängniswärter. „Er macht die ganze Arbeit und ich kann mich gemütlich ausruhen.“

Joseph, der Bäcker und der Mundschenk

Eines Tages wurden zwei ganz besondere Gefangene ins Gefängnis geworfen: Der Bäcker und der Mundschenk des Pharaos persönlich! Beide standen im Verdacht, den Pharao betrogen zu haben.

Der Bäcker war für das Brot zuständig, das im Palast des Pharaos gegessen wurde, der Mundschenk musste für alle Getränke dort sorgen.

Die neuen Gefangenen waren natürlich sehr schlecht gelaunt und sie hatten noch dazu schlecht geschlafen: Beide hatten geträumt, aber sie wussten nicht, was die Träume bedeuten sollten.

„Gäbe es nur jemand, der unsere Träume deuten kann,“ seufzte der Mundschenk. „Träume deuten ist eine Sache Gottes,“ antwortete Joseph. „Erzählt mir eure Träume!“

Der Mundschenk traute sich als Erster: „In meinem Traum sah ich einen Weinstock heranwachsen, an dem drei wunderschöne Reben hingen. Ich hielt den Becher meines Herrn, des Pharaos, in der Hand und presste den Saft der Reben in diesen Becher, wo sie zu einem köstlichen Wein wurden. Den Becher gab ich meinem Herrn, dem Pharao.“

Joseph sagte: „Die drei Reben stehen für drei Tage. In drei Tagen wirst du wieder als Mundschenk dem Pharao dienen. Aber versprich mir, dass du dem Pharao von mir erzählst. Ich sitze hier unschuldig im Gefängnis und wurde aus meiner Heimat entführt.“

Der Bäcker hatte natürlich zugehört und hatte jetzt auch den Mut, seinen Traum zu erzählen: „Mein Traum geht anders. Ich trug drei Körbe mit feinstem Brot auf dem Kopf, aber Vögel kamen und fraßen das Brot aus dem obersten Korb!“

„Du willst die Deutung des Traumes nicht hören,“ sagte Joseph. „Doch,“, drängte der Bäcker. „Sag mir, was der Traum bedeutet.“ „In drei Tagen wird dich der Pharao zum Tod verurteilen,“ sagte Joseph mit leiser Stimme.

Der Gefägniswärter erzählt:

„Joseph hatte Recht. Drei Tage später feierte der Pharao seinen Geburtstag. Da sprach er den Mundschenk frei und setzte ihn wieder in sein Amt ein, den Bäcker verurteilte der Pharao zum Tod.

Der Mundschenk aber dachte nicht mehr an Joseph und so bleibt Joseph weiter im Gefängnis.

Gut für mich. Joseph macht die ganze Arbeit und ich muss nichts tun. Das kann meinetwegen ewig so weitergehen.“

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Wer glaubt schon einem Sklaven?

Der neue Sklave und sein Herr Potifar

Im Hause des Beamten Potifar gibt es neuerdings einen neuen Sklaven. Entschuldigung, ich habe vergessen, zu erwähnen, wo Potifar wohnt: Er wohnt in Ägypten. Also, dort bei Potifar gab es einen neuen Sklaven. Das wäre nichts Besonderes, aber der neue Sklave hat sich schon in wenigen Wochen für Potifar praktisch unentbehrlich gemacht: Der neue Sklave ist geschickt und klug, er arbeitet viel und denkt mit. Potifar ist begeistert von ihm.

Ihr habt den neuen Sklaven natürlich sofort erkannt, oder?

Ja, es ist Joseph. Die Kaufleute aus Midian haben Joseph nach Ägypten gebracht und an Potifar verkauft.

Auch die Frau von Potifar schätzt Joseph sehr: „Er ist so fleißig und zuverlässig!“ sagt sie.

Hathor, Potifars Frau, Isis

Aber Hathor und Isis, ihre zwei Sklavinnen, haben Potifars Frau schon längst durchschaut: „Unsere Herrin, Potifars Frau, ist verknallt in Joseph!“ sagt Hathor. „Mensch, ist das peinlich!“

Potifar ist zu einem Fest beim Pharao, dem König und Herrscher über Ägypten, eingeladen. Natürlich zusammen mit seiner Frau. Aber die hat Kopfweh! Da kann sie natürlich nicht mitkommen. Potifar geht ohne seine Frau zum Fest.

Nachdem ihr Mann gegangen ist, ruft Potifars Frau Joseph herbei. „Was ist, Herrin?“ fragt Joseph. „Schenk mir Wein ein, setz dich zu mir und erzähle mir von deiner Familie,“ sagt sie. „Da gibt es nichts zu erzählen,“ antwortet Joseph.

„Du bist klug und fleißig, Joseph,“ sagt Potifars Frau, „und du bist schön und attraktiv. Ich will dich und ich will dich jetzt,“ sagt Potifars Frau.

„Mein Herr Potifar vertraut mir,“ antwortet Joseph. „Wie könnte ich ihm das antun?“

Potifars Frau hält ihn an seinem Gewand fest, doch Joseph reißt sich los und läuft davon. Potifars Frau bleibt zurück und hält nur noch einen Teil seines Gewandes in der Hand.

Und Potifars Frau rächt sich an Joseph. „Zu Hilfe, “ ruft sie, „Dieser neue Sklave, er wollte mir Gewalt antun!“

Die Sklavinnen eilen herbei und auch Potifar ist gerade wieder nach Hause zurückgekehrt. „Dieser Joseph, dem du vertraut hast, er wollte mir Gewalt antun!“ ruft die Frau. „Als ich um Hilfe rief, da ist er abgehauen, aber sein Gewand, das hat er da gelassen!“

„Potifar ließ die Wachen rufen und Joseph verhaften und ins Gefängnis werfen,“ erzählt Hathor. „Wer glaubt schon einem Sklaven? Schade um Joseph, ich habe ihn gemocht.“

Von Israel wurde Joseph nach Ägypten gebracht
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Real-Gottesdienste in Neufahrn

(Heute ohne Audios, dafür ein paar interessante Links)

Real-Gottesdienste – Ein neuer Begriff für eine alte Sache, nämlich für Gottesdienste, wo man nicht vor dem Bildschirm sitzt, sondern real dabei ist. Ja, so etwas gibt es! Da geht man tatsächlich irgendwo hin und feiert mit anderen Leuten, die auch tatsächlich gekommen sind! Zugegeben, die ganze Sache mit Maskenpflicht, Abstandspflicht usw. ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber die ersten Erfahrungen zeigen: Egal wie, es ist wichtig, dass Menschen zusammenkommen und Gottesdienst feiern.

Die evangelische Gemeinde feiert die Gottesdienste auf ihrer Pfarrwiese. Heute ging es um das Gebet. In den letzten acht Wochen wurden in der Auferstehungskirche 880 Kerzen angezündet.

Alle diese 880 Kerzen stehen für ein Gebet, das ein Mensch voller Hoffnung in dieser Zeit gesprochen hat. Und natürlich ging es um das wichtigste Gebet der Christen, das Vaterunser. Die evangelische Gemeinde zeichnet ihre Gottesdienste auch weiterhin auf.

Hier der Gottesdienst der evangelischen Gemeinde

Die katholische Gemeinde bietet insgesamt sechs Gottesdienste an, doppelt so viele wie sonst. Alle Menschen, die kommen wollen, sollen die Möglichkeit haben, Gottesdienst zu feiern.

Gestern wäre in Neufahrn Feier der Erstkommunion gewesen, die aber verschoben werden musste. Zu zwei Kindergottesdiensten im Franziskussaal waren deshalb die EKO-Kinder und ihre Familien eingeladen. Die EKO-Kinder erfuhren: Euch geht es wie den Emmausjüngern. Ihre Pläne und Hoffnungen wurden mit Jesu Tod durchkreuzt. Aber der auferstandene Jesus kam und ging mit ihnen mit und sie erkannten: Heute und jeden Tag ist Ostern, heute beginnt unsere Zukunft und sie geht bis ans Ende der Welt und darüber hinaus.

Ostern bedeutet: Alles wird gut!

Der Regenbogen und das Kreuz selbst sind Zeichen für diese Botschaft: Alles wird gut!

Beim Gottesdienst haben wir leider kein Bild vom Anspiel gemacht, deswegen hier ein Backstage-Foto von Kleopas, Jesus und Jakob. Die Jungs wollten eigentlich mit Maske spielen, aus Solidarität mit den Kindern, aber es stellte sich heraus, dass sie dann doch nicht so gut zu verstehen gewesen wären.

Hier kannst du die Geschichte von den Emmausjüngern, die Version mit den Klorollenfiguren, noch mal anschauen und hören.

Das Beste zum Schluss: Richtig gut ist, was die Kirchenspatzen gemacht haben. Nicht nur, dass sie jeden Montag per Videokonferenz üben, sie haben dazu auch ein Video gemacht. Das ist echt toll geworden, hier der link:

Im Meer der Zeit

Das wars für heute, morgen geht es mit dem Joseph weiter. Schaut regelmäßig auf die Homepages der evangelischen und katholischen Gemeinden!

Homepage der katholischen Pfarrei

Homepage der evangelischen Pfarrei

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Ein gutes Geschäft

Geschwister streiten. Ist es nicht so, Hand aufs Herz? Das heißt nicht, dass du deine Geschwister nicht magst. Natürlich geht ihr damit euren Eltern auf die Nerven (mancher Streit wird speziell für dieses Publikum vom Zaun gebrochen), aber es scheint irgendwie komplett normal zu sein.

In der Familie von Jakob aber ist der Streit zwischen Joseph und seinen Brüdern nicht normal. Der Vater Jakob bevorzugt Joseph – und dabei kommt nichts Gutes heraus. Aber hört und seht selbst!

Die Familie von Jakob lebt von ihren Schafe – und Ziegenherden. Wochenlang sind die ältesten zehn Söhne mit den Herden unterwegs auf der Suche nach Futterplätzen für die Tiere. An einem leeren Brunnen, in dem kein Wasser ist, haben die Brüder Rast gemacht.

Screenshot aus dem Video von Harald Renz

Da sehen sie von weitem Joseph kommen. Sie erkennen ihn an seinem bunten Festgewand.

Ruben ist der Dritte von links

Simeon, einer der Brüder, ist besonders wütend auf Joseph. „Ich erinnere mich lebhaft an seine Träume!“ sagt Simeon. „Am liebsten würde ich Joseph umbringen. Dann sind wir ihn endlich los!“ Die anderen Brüder stimmen ihm zu.

Ruben, der älteste der Brüder, ist mit Simeon nicht einverstanden. Aber Ruben kann sich kaum gegen seine Brüder durchsetzen, deshalb schlägt er vor: „Werft Joseph in den leeren Brunnen!“ Und so passiert es.

Screenshot aus dem Video von Harald Renz

„Unser Vater Jakob hat mich geschickt, um nach euch zu sehen wie es euch geht“, sagt Joseph. „Uns geht es gut,“ sagt Simeon. „Aber wie geht es dir?“ Simeon schubst Joseph um. Die anderen Brüder lachen. „Oh, du hast dich schmutzig gemacht,“ ruft einer der Brüder. „Du solltest dringend ein Bad nehmen! Hier ist ein Brunnen, wie praktisch!“ Die Brüder ergreifen Joseph, ziehen ihm sein Gewand aus und werfen ihn in den Brunnen.

Danach setzen sich die Brüder hin und machen Brotzeit.

Plötzlich sehen die Brüder in der Ferne eine Karawane. Es sind Kaufleute aus Midian.

Juda ist der Dritte von links

„Wie wäre es, wenn wir Joseph diesen Kaufleuten als Sklaven verkaufen?“ schlägt Juda vor. „Das ist eine tolle Idee!“ sagt Simeon. „Du bist ein schlauer Kopf, Juda!“

Die Brüder holen Joseph aus dem Brunnen. Simeon preist Joseph den Kaufleuten an: „Wollt ihr einen Sklaven kaufen? Er ist intelligent, gut ernährt und hat noch alle Zähne und Finger!“ „Er ist noch recht jung,“ sagen die Kaufleute, „Wir bieten 15 Silberstücke!“ „Das ist zu wenig, wir fordern 25 Silberstücke!“ sagen die Brüder  „Wir geben euch 20 Silberstücke, mehr nicht, “ sagen die Kaufleute. Und so verkaufen die Brüder Joseph für 20 Silberstücke als Sklaven.

„Das könnt ihr nicht machen! Ich bin euer Bruder!“ ruft Joseph. „Halt den Mund, Sklaven haben nur zu reden, wenn sie gefragt werden!“ sagen die Kaufleute. Sie nehmen Joseph mit in ein fernes Land.

Juda denkt sich noch aus, was man dem Vater Jakob erzählen will. Die Brüder schlachten ein Tier aus der Herde und tränken das bunte Gewand von Joseph mit dem Blut des Tieres. Dann schicken sie das bunte Gewand zum Vater mit der Frage: „Ist das nicht das bunte Gewand deines Sohnes Joseph?“ Der Vater Jakob bricht in Tränen aus: „Ein wildes Tier hat meinen Sohn Joseph gefressen!“ Über das, was wirklich passiert ist, sagen die Brüder kein einziges Wort mehr.

(Drei Sachen: Alle Fotos, die nicht anderweitig gekennzeichnet sind, die sind von Gabi Neubauer. Die Fotos stammen von den Proben und vom Kibiwe selbst. Bei den Proben ist die Kleiderordnung nicht so streng, das sind die Fotos, wo man Jeans, Brillen und Turnschuhe sieht. Und dann, das habt ihr wohl auch schon gemerkt: Die Audios sind auch als Schrifttext zu lesen. Es gibt aber schriftliche Kommentare zusätzlich)

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Eine wirklich große (und wichtige) Familie

Geschwister kann man sich nicht aussuchen. Man kann sich nicht aussuchen, ob man einen Bruder oder eine Schwester hat, man kann sich nicht aussuchen, ob sie älter sind oder jünger als man selbst, man kann sich nicht aussuchen, ob man viele Geschwister hat oder nicht, und man wohnt mit ihnen in der Regel zusammen.

In der Bibel gibt es viele Geschichten. Im alten Testament gibt es auch viele Geschichten um eine ganz wichtige Familie. Es ist die Familie von Abraham, Isaak und Jakob. Abraham war der Vater von Isaak, Isaak war der Vater von Jakob. Und unsere Geschichte beginnt mit Jakob und seiner großen Familie.

Du denkst vielleicht, das da auf dem Bild ist eine Kita. Weit gefehlt! Ich möchte dir Jakobs Familie vorstellen. Jakobs Familie war viel größer als das, was bei uns als Familie gilt. Die kleinen Kinder sind Jakobs Enkelkinder, die Frauen, die links sitzen, das sind Jakobs Schwiegertöchter und die zwei Frauen mit den gelben Gewändern, die rechts stehen – das sind zwei von Jakobs Frauen.

Lea ist die etwas kleinere Frau in der Mitte. Die Darstellerin war damals 48 Jahre alt, plusminus 5 Jahre.

Das sind Jakobs Söhne. Sie waren schon erwachsen und verheiratet, trotzdem lebten sie noch mit ihrem Vater Jakob zusammen. Die Frau auf dem Bild ist Lea. Sie war auch eine Frau von Jakob, seine wichtigste Frau derzeit. (Auf dem Bild müssten zehn Söhne Jakobs sein, einer fehlt gerade auf dem Bild. Ja, man verliert da schnell den Überblick, tut mir leid).

Und das ist Jakob, der Vater und Chef der Familie, der Sohn von Isaak und Enkelsohn von Abraham. Wenn du gut mitgezählt hast, dann hatte Jakob drei Frauen. Früher hatte er sogar vier, aber die Frau, die Jakob am meisten geliebt hatte, die war schon gestorben. Diese Frau hieß Rahel.

links Joseph, rechts Benjamin, in der Mitte Jakob

Von dieser Frau, Rahel, waren Jakob noch zwei weitere Söhne geblieben: Joseph und Benjamin, der Jüngste, der noch ein kleines Kind war. Und weil Joseph und Benjamin die Söhne von Rahel waren, deshalb liebte Jakob Joseph und Benjamin mehr als seine anderen zehn Söhne. Und so hatte Jakob dem Joseph und nur dem Joseph ein buntes Festgewand gekauft.

Du kannst dir denken, dass die anderen Söhne des Jakob damit nicht zufrieden waren. Denn Jakob bevorzugte Joseph und das ist nicht gerecht. Als die anderen Brüder Joseph deshalb zur Rede stellten, erzählte Joseph:

Damals wurde Getreide mit der Hand geerntet und dann zusammengebunden, damit man es besser transportieren kann. Die Bündel nennt man Garben.

„Ich hatte einen Traum. Wir waren auf dem Feld und haben das Getreide geerntet und es zu Garben zusammen gebunden . Da haben sich die Garben aufgerichtet und eure Garben verneigten sich vor meiner.“ „Was, wir sollen uns vor dir verneigen?“ rief einer der Brüder.

Und Joseph erzählte weiter: „Ich träumte noch einmal. Elf Sterne, die Sonne und der Mond verneigten sich vor mir.“

Du kannst dir denken, dass die anderen Brüder stinksauer waren. Am liebsten hätten sie Joseph verprügelt. Aber Lea, die wichtigste Frau von Jakob, trat dazwischen und sorgte für Ruhe.

Lea spürte, dass ihre Söhne und die Söhne der anderen Frauen, unzufrieden waren. Sie sprach eindringlich mit Jakob und warnte ihn, dass da nichts Gutes dabei herauskommen würde. Ob Jakob auf Lea hören wird?

(Die Fotos stammen allesamt mal wieder von Gabi Neubauer – vielen Dank! – und die Geschichte, die ich euch in den kommenden Tagen erzählen werde, die haben wir beim Kibiwe 2010 nachgespielt)